Aufbewahrungsort Berlin, Staatsbibl., mgf 1428
[früher Privatbesitz Freiherr Hans Conon von der Gabelentz, Poschwitz bei Altenburg (Thür.)]
Codex noch I + 185 + I Blätter
Beschreibstoff Papier
Inhalt Bl. 1ra-51va = Gerard van Vliederhoven: 'Cordiale de IV novissimis', dt. [s.u. Ergänzender Hinweis 2]
Bl. 51va-59vb = Isidor von Sevilla: 'Synonyma', Buch II, Auszüge, dt. [s.u. Ergänzender Hinweis 2 und 3]
Bl. 60ra-82vb, 83r-91v = Freidank: 'Bescheidenheit', Anfang und Schluß verloren (G); endet mit:
Bl. 91v = 'Vier Lügen', v. 1-14 (Grimm 169,19a-o)
Bl. 92ra-93rb = 'Autoritäten' (Sammlung gereimter Vierzeiler, der vorletzte Spruch ein Zweizeiler), Anfang verloren, das Erhaltene vermutlich Nr. 9,4 bis Nr. 34
Bl. 93rb-95vb = Sammlung kleiner lehrhafter und mahnender Texte (teilweise auch anderwärts nachweisbar), überwiegend in Versen, Bl. 95ra und 95vb an lat. Verse anschließend, Schluß verloren [s.u. Ergänzender Hinweis 4]
Bl. 96ra-128vb = Dietrich von Apolda: 'Vita S. Elisabeth', dt. Bearbeitung c (Reimprosa), Schluß (ab Stannat S. 116, Apparat Z. 3) verloren [s.u. Ergänzender Hinweis 5]
Bl. 129ra-174ra = Alfonsus Bonihominis: 'Epistula Rabbi Samuelis ad Rabbi Isaac', mittelfrk. Übersetzung eines franziskanischen Lesemeisters v.J. 1421 [s.u. Ergänzender Hinweis 2]
Bl. 174ra-185rb = Paschalis von Rom: 'Disputatio Iudaeorum contra Anastasium', dt. Übersetzung b
Bl. 185v = Einträge (s. Lampert S. 34f.)
Blattgröße 273 x 205 mm (Lampert S. 34); 270 x 200 mm (Becker S. 20; Aderlaß und Seelentrost S. 171)
Schriftraum 185 x 140 mm (Lampert S. 34)
Spaltenzahl 2 (Bl. 83-91: 1)
Zeilenzahl 25 (Lampert S. 34)
Versgestaltung Verse abgesetzt und meist alle acht Verse eine Lombarde (Bl. 60ra-91v; Freidank mit 'Vier Lügen'); nur teilweise abgesetzt (Bl. 92ra-95vb)
Besonderheiten Geschrieben von Johannes von Büllesheim (Groß- und Kleinbüllesheim, heute Ortsteile von Euskirchen, ca. 35 km südsüdwestl. von Köln), campanarius in Liblar (heute Ortsteil von Erftstadt, rund 15 km südsüdwestl. von Köln).
Entstehungszeit 1462 (Bl. 51va, 185rb)
Schreibsprache ripuar. (Lampert S. 34)
Abbildung Aderlaß und Seelentrost S. 172 [= Bl. 185r (in Farbe)]
Literatur
(in Auswahl)
  • Friedrich Leonard von Soltau, Ein Hundert Deutsche Historische Volkslieder, Leipzig 1836, zweite Ausgabe 1845 (Nachdruck Hildesheim 1978), S. LV-LVIII Abdruck von Bl. 87r, Z. 21 - 89v, Z. 9 (Verse "auf den päbstlichen Hof", hauptsächlich aus dem Bereich Freidank 148,6-154,7). [Ausg. 1836 online]
  • Wilhelm Grimm (Hg.), Freidank, 2. Ausgabe, Göttingen 1860, S. V, XV; Plusverse gegenüber der ersten Ausgabe im Text, auch der Anfang der 'Vier Lügen' (Bl. 91v: 169,19a-o), nur ein Mariengebet (Bl. 86v-87r, nach 181,21) im Apparat S. 288f. abgedruckt. [online]
  • Heinrich Ernst Bezzenberger (Hg.), Frîdankes Bescheidenheit, Halle 1872 (Nachdruck Aalen 1962), S. 49 (Nr. 8, G), im Anhang I S. 234, 235, 237 (hier u.a. 169,19a-o = 'Vier Lügen' v. 1-14), 239f. (Mariengebet). [online]
  • Werner Stannat, Das Leben der heiligen Elisabeth in drei mittelniederdeutschen Handschriften aus Wolfenbüttel und Hannover (Niederdeutsche Denkmäler 9), Neumünster 1959 (ohne diese Hs.).
  • Hans Otto Lampert, Beschreibung von 23 bei Degering nicht mehr erfaßten Handschriften der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek Berlin, Magisterarbeit (masch.), Tübingen 1970, S. 34-37.
  • Monika Marsmann, Die Epistel des Rabbi Samuel an Rabbi Isaak. Untersuchung und Edition, Diss. München 1971, Anhang B, S. 467-573 (Ausgabe, ohne diese Hs.).
  • Marieluise Dusch, De veer utersten. Das Cordiale de quatuor novissimis von Gerhard von Vliederhoven in mittelniederdeutscher Überlieferung (Niederdeutsche Studien 20), Köln/Wien 1975, S. 65* (Nr. 204). [online]
  • R. F. M. Byrn, The Cordiale-Auszug. A study of Gerard van Vliederhoven's Cordiale de IV novissimis with particular reference to the High German versions (Ungedruckte Phil. Diss.), Leeds 1976, S. 176.
  • Arne Holtorf / Kurt Gärtner, 'Autoritäten' (gereimt), in: 2VL 1 (1978), Sp. 557-560, bes. Sp. 558 (noch ohne diese Hs.).
  • Berndt Jäger, "Durch reimen gute lere geben". Untersuchungen zu Überlieferung und Rezeption Freidanks im Spätmittelalter (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 238), Göppingen 1978, bes. S. 174f., ferner S. 45, 85, 216, 219.
  • Helmut Lomnitzer, Dietrich von Apolda, in: 2VL 2 (1980), Sp. 103-110 + 2VL 11 (2004), Sp. 353, hier Bd. 2, Sp. 106 (II.B.3.c., noch ohne diese Hs., doch s. Williams-Krapp [1986]).
  • Peter Jörg Becker, Kurzes Verzeichnis der von Hermann Degering nicht mehr erfaßten Handschriften in Folio. Ms. germ. fol. 1384 - Ms. germ. fol. 1500 (masch.), Berlin 1986, S. 19f. [online]
  • Werner Williams-Krapp, Die deutschen und niederländischen Legendare des Mittelalters. Studien zu ihrer Überlieferungs-, Text- und Wirkungsgeschichte (Texte und Textgeschichte 20), Tübingen 1986, S. 406: Elisabeth von Thüringen (9), mit dieser Hs. (Hinweis von Helmut Lomnitzer).
  • Karl Heinz Keller, Öser, Irmhart, in: 2VL 7 (1989), Sp. 84-89, hier Sp. 88 (zur anonymen mfrk. Übersetzung der 'Epistula Rabbi Samuelis', mit dieser Hs.).
  • Karl Heinz Keller, Paschalis von Rom, in: 2VL 7 (1989), Sp. 317f. + 2VL 11 (2004), Sp. 1164.
  • Gisela Kornrumpf, 'Spruch der Engel Uns engel wundert all geleich', in: 2VL 9 (1995), Sp. 180-186 + 2VL 11 (2004), Sp. 1448, hier Bd. 9, Sp. 185 (zu den 'Autoritäten' Bl. 92ra-93rb).
  • Ulrich-Dieter Oppitz, Georg Kloss und seine Handschriftensammlung, in: Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte 22 (1997), S. 1-47, hier S. 30 (zu Nr. 4653, der Teilabschrift in Bonn).
  • Frank Fürbeth, 'Vier Lügen', in: 2VL 10 (1999), Sp. 332f.
  • Aderlaß und Seelentrost. Die Überlieferung deutscher Texte im Spiegel Berliner Handschriften und Inkunabeln, hg. von Peter Jörg Becker und Eef Overgaauw (Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Ausstellungskataloge N.F. 48), Mainz 2003, S. 171-173 (Nr. 82) [von Renate Schipke].
  • Franz-Josef Holznagel, Vorüberlegungen zu einer neuen Freidank-Ausgabe, in: Deutsche Texte des Mittelalters zwischen Handschriftennähe und Rekonstruktion. Berliner Fachtagung 1.-3. April 2004, hg. von Martin J. Schubert (Beihefte zu editio 23), Tübingen 2005, S. 159-172, hier S. 167.
  • Ines Heiser, Autorität Freidank. Studien zur Rezeption eines Spruchdichters im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit (Hermaea N.F. 110), Tübingen 2006, S. 32 (Be2). [Statt "1482" lies "1428"; statt "95vb" lies "93rb"; statt "14 Vierzeiler" lies "erhalten ein Vierzeiler-Schlußvers, 24 Vierzeiler [einschließlich FRA 5 und FRA 6] und an vorletzter Stelle ein Zweizeiler"; FRA 3 und FRA 2 dürften mit der Anfangspartie verloren sein.].
  • Martin J. Schubert, Ein Missing link der Elisabethforschung. Die mittelniederdeutsche Reimprosa in einem mitteldeutschen Zeugnis, in: Mittelalterliche Sprache und Literatur in Eisenach und Erfurt. Tagung anlässlich des 70. Geburtstags von Rudolf Bentzinger am 22.8.2006, hg. von Martin Schubert, Jürgen Wolf und Annegret Haase (Kultur, Wissenschaft, Literatur. Beiträge zur Mittelalterforschung 18), Frankfurt a.M. 2008, S. 131-161, hier S. 145.
  • Isabella Schiller, Die handschriftliche Überlieferung der Werke des Heiligen Augustinus, Bd. X/2: Ostdeutschland und Berlin. Verzeichnis nach Bibliotheken (Sitzungsberichte der phil.-hist. Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 791; Veröffentlichungen der Kommission zur Herausgabe des Corpus der lateinischen Kirchenväter XXVI), Wien 2009, S. 163.
  • Davide Bertagnolli, Freidank. Die Sprüche über Rom und den Papst (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 775), Göppingen 2013, S. 174-179 (mit Teilabdruck Freidank).
  • Repertorium der mittelalterlichen Autoritäten (mhd. und mnd.). [online]
  • Marburger Repertorium der Freidank-Überlieferung [online]
Ergänzender Hinweis 1) Die Hs. befand sich im Besitz von Georg Kloss und stammte aus der am 28.5.1816 versteigerten Bibliothek des Fürsten Salm (Nr. 2360), wie sich aus Einträgen in der 1823 in Kloss' Auftrag angefertigten Abschrift von Bl. 60-95 (seit 1911: Bonn, Universitätsbibl., Cod. S 1258) ergibt, die die unvollständig erhaltenen Einträge in der Hs. (s. Lampert S. 34f.) ergänzen. In den Besitz des Freiherrn von der Gabelentz gelangte die Hs.1835 (diese Jahreszahl auf Bl. 185v) offenbar außerhalb der Londoner Versteigerung von Kloss’ Bibliothek.
2) Der erste, der zweite und der vorletzte Text bilden in gleicher Fassung den Hauptinhalt von London, University College, MS. Germ. 10 (v. J. 1456), wo jeweils Kurztexte folgen, darunter dasselbe Memento-mori-Gedicht wie hier Bl. 95ra-va.
3) Zur Isidor-Übertragung vgl. den Erg. Hinweis zu London, University College, MS. Germ. 10, Bl. 49ra-56ra.
4) Mehrere Kleintexte aus dem Bereich Bl. 92-95 sind nach der Abschrift Bonn, Universitätsbibl., Cod. S 1258 vollständig transkribiert in der Archivbeschreibung von Heinrich Hempel (1940) 13 + 1 Bll., hier Bl. 7-13.
5) Der ripuar. Textzeuge der Elisabeth-Vita, den Lomnitzer der nd. Bearbeitung c zugeordnet hat (s. Williams-Krapp [1986]), stellt sich zu Stannats etwas älterer Handschrift A (Wolfenbüttel, Herzog August Bibl., Cod. 894 Helmst., v. J. 1449).
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Gisela Kornrumpf (München), November 2015

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