Aufbewahrungsort Berlin, Staatsbibl., mgf 1396
Codex I + 192 + I Blätter
Beschreibstoff Papier
Inhalt Bl. 1ra-56vb = Heinrich von Langenstein: 'Erkenntnis der Sünde' (die dt. Fassung vermutlich von Marquard von Randegg)
Bl. 57ra-95va = Friedrich der Karmeliter: 'Buch der himmlischen Gottheit'
Bl. 95vb-96vb = leer
Bl. 97ra-112va = 'Apokalypse', dt.
Bl. 112vb-128va = 'Tiroler Christenspiegel', Hauptteil I (Meßauslegung) und Hauptteil II, Einleitung (Wielander S. 3,1-23,47. 24,1-49) (dieser Textzeuge war bislang nicht identifiziert und bekannt)
Bl. 128vb-148ra = Österreichischer Bibelübersetzer: 'Schlierbacher Altes Testament', daraus:
a) Bl. 128vb-139rb = Tobias, ohne den Prolog
b) Bl. 139va-148ra = Hiob
Bl. 148rb = leer
Bl. 148va-161rb = 'Maria Aegyptiaca' (Legende, österr. Prosaübersetzung [Hs. b])
Bl. 161va, Z. 1-4 = Anfang des folgenden Textes; Rest der Spalte leer
Bl. 161vb-179vb = Dietrich von Apolda: 'Vita S. Elisabeth', dt. Bearbeitung c (Reimprosa); s.u. Ergänzender Hinweis
Bl. 180 = leer
Bl. 181ra-182rb = Anaphorisches Marienlob (wohl nach einer lat. Vorlage), mit dem Ave Maria schließend
Bl. 182va-183ra = Anselm von Canterbury (?): Gebetsbetrachtung zum Jüngsten Gericht
Bl. 183rb-189va = 'Visio Lazari', mhd. Gedicht
Bl. 189vb-191vb = Peter Suchenwirt: 'Von den sieben Todsünden' (Primisser Nr. XL), Verse
Bl. 192 = leer
Blattgröße 290 x 215-220 mm (Lampert S. 18, Becker S. 6)
Schriftraum 200 x 145 mm (Lampert S. 18)
Spaltenzahl 2
Zeilenzahl 32-35
Versgestaltung Verse Bl. 183rb-191vb nur anfangs konsequent abgesetzt (öfter gebrochen), dann überwiegend fortlaufend
Besonderheiten Die Handschrift gehörte wohl ursprünglich mit Berlin, Staatsbibl., mgf 1395 zusammen (vgl. Becker S. 6).
Entstehungszeit 1. Hälfte 15. Jh. (Lampert S. 18, Becker S. 5); Mitte 15. Jh (Kunze [1978] S. 13)
Schreibsprache bair. (Lampert S. 18, Becker S. 5), niederösterr. (Kunze [1978] S. 13)
Literatur
(in Auswahl)
  • Werner Stannat, Das Leben der heiligen Elisabeth in drei mittelniederdeutschen Handschriften aus Wolfenbüttel und Hannover (Niederdeutsche Denkmäler 9), Neumünster 1959 (ohne diese Hs.).
  • Angelus (Josef) Wielander, Ein Tiroler Christenspiegel des 14. Jahrhunderts, Diss. Freiburg/Schweiz 1959 (ohne diese Hs.).
  • Konrad Kunze, Studien zur Legende der heiligen Maria Aegyptiaca im deutschen Sprachgebiet (Philologische Studien und Quellen 49), Berlin 1969, S. 107-111 (Hs. genannt S. 110).
  • Rainer Rudolf (Hg.), Heinrich von Langenstein, Erchantnuzz der sund (Texte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit 22), Berlin 1969, S. 47 (Nr. 19; statt "1397" lies "1396").
  • Hans Otto Lampert, Beschreibung von 23 bei Degering nicht mehr erfaßten Handschriften der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek Berlin, Magisterarbeit (masch.), Tübingen 1970, S. 18-21.
  • Konrad Kunze (Hg.), Die Legende der Heiligen Maria Aegyptiaca. Ein Beispiel hagiographischer Überlieferung in 16 unveröffentlichten deutschen, niederländischen und lateinischen Fassungen (Texte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit 28), Berlin 1978, S. 12-49 (Beschreibung der Hs. S. 13, Ausgabe nach dieser Hs. S. 21-49).
  • Werner Williams-Krapp, Die deutschen Übersetzungen der 'Legenda aurea' des Jacobus de Voragine, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 101 (1979), S. 252-276 [wieder in: Werner Williams-Krapp, Geistliche Literatur des späten Mittelalters. Kleine Schriften, hg. von Kristina Freienhagen-Baumgardt und Katrin Stegherr (Spätmittelalter, Humanismus, Reformation 64), Tübingen 2012, S. 226-247], hier S. 267 Anm. 42 Hinweis auf die 'Visio Lazari' in dieser Hs.
  • Gisela Kornrumpf, Friedrich der Karmeliter, in: 2VL 2 (1980), Sp. 948-950, hier Sp. 949.
  • Helmut Lomnitzer, Dietrich von Apolda, in: 2VL 2 (1980), Sp. 103-110 + 2VL 11 (2004), Sp. 353, hier Bd. 2, Sp. 106 (II.B.3.c., noch ohne diese Hs., doch s. Williams-Krapp [1986]).
  • Peter Jörg Becker, Kurzes Verzeichnis der von Hermann Degering nicht mehr erfaßten Handschriften in Folio. Ms. germ. fol. 1384 - Ms. germ. fol. 1500 (masch.), Berlin 1986, S. 5f. [online]
  • Werner Williams-Krapp, Die deutschen und niederländischen Legendare des Mittelalters. Studien zu ihrer Überlieferungs-, Text- und Wirkungsgeschichte (Texte und Textgeschichte 20), Tübingen 1986, S. 406: Elisabeth von Thüringen (9), mit dieser Hs. (Hinweis von Helmut Lomnitzer).
  • Gisela Kornrumpf, Die österreichischen Historienbibeln IIIa und IIIb, in: Deutsche Bibelübersetzungen des Mittelalters. Beiträge eines Kolloquiums im Deutschen Bibel-Archiv, unter Mitarbeit von Nikolaus Henkel hg. von Heimo Reinitzer (Vestigia Bibliae 9/10 [1987/1988]), Bern u.a. 1991, S. 350-374, hier S. 358 mit Anm. 37 (S. 371).
  • Freimut Löser, Ein zweiter Textzeuge des 'Schlierbacher Alten Testaments'. Zur 'Laienmissionierung' des 14. Jahrhunderts in Österreich, in: Deutsche Bibelübersetzungen des Mittelalters. Beiträge eines Kolloquiums im Deutschen Bibel-Archiv, unter Mitarbeit von Nikolaus Henkel hg. von Heimo Reinitzer (Vestigia Bibliae 9/10 [1987/1988]), Bern u.a. 1991, S. 132-154, hier S. 134, 135.
  • Claudia Brinker-von der Heyde, Suchenwirt, Peter, in: 2VL 9 (1995), Sp. 481-488 + 2VL 11 (2004), Sp. 1462, hier Bd. 9, Sp. 483 (statt "1386" lies "1396").
  • Klaus Wolf, Hof - Universität - Laien. Literatur- und sprachgeschichtliche Untersuchungen zum deutschen Schrifttum der Wiener Schule des Spätmittelalters (Wissensliteratur im Mittelalter 45), Wiesbaden 2006, S. 97f. mit Anm. 332, 105, 188, 194, 214, 260, 313-326, 334, 355 (zur Autorschaft der dt. Fassung der 'Erkenntnis der Sünde').
  • Martin J. Schubert, Ein Missing link der Elisabethforschung. Die mittelniederdeutsche Reimprosa in einem mitteldeutschen Zeugnis, in: Mittelalterliche Sprache und Literatur in Eisenach und Erfurt. Tagung anlässlich des 70. Geburtstags von Rudolf Bentzinger am 22.8.2006, hg. von Martin Schubert, Jürgen Wolf und Annegret Haase (Kultur, Wissenschaft, Literatur. Beiträge zur Mittelalterforschung 18), Frankfurt a.M. 2008, S. 131-161, hier S. 145.
  • Nikolaus Ruge, Asketische Repräsentation und Lektüre. Von der 'Vita S. Elyzabeth' zum 'Bihtebuoch', in: Askese im Mittelalter. Beiträge zu ihrer Praxis, Deutung und Wirkungsgeschichte, hg. von Gottfried Kerscher und Gerhard Krieger (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung 15,1), Berlin 2010, S. 52-65, hier S. 57.
Archivbeschreibung ---
Ergänzender Hinweis Die Elisabeth-Vita Bl. 161vb-179vb wurde von Lomnitzer der dt. Bearbeitung c zugeordnet (s. Williams-Krapp 1986), die Stannat 1959 nach drei nd. Hss.untersucht und ediert hat. Der bislang älteste, bair. Textzeuge mgf 1396 stellt sich trotz größerer Auslassungen eindeutig zu Stannats Hs. B (Wolfenbüttel, Herzog August Bibl., Cod. Helmst. 1336, 2. H. 15. Jh. / um 1500); demnach kann für den Großteil der von Stannat für den B-Text herausgearbeiteten charakteristischen Züge, insbesondere die Heranziehung mindestens einer Zusatzquelle, entgegen Stannats Vermutung nicht erst der Schreiber der Hs. B verantwortlich sein (vgl. S. 77*-80*). Mit Hs. B teilt mgf 1396 u.a. den genealogischen Ausblick (ebd. S.121, Apparat), der bis zu Elisabeths Ururenkelin (Elisabeth, gest. 1354), verheiratet (seit 1336) mit Herzog (Rudolf II. dem Jüngeren) von Sachsen(-Wittenberg), reicht; die liezz daz püch schreiben, heißt es abschließend in mgf 1396 (der Satz fehlt in Hs. B).
  Gisela Kornrumpf (München), Oktober 2011